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Auf der Suche
21.4.2011 von Konrad.
So könnte die Burg zu Birkenau ausgesehen haben: Oben Zeichnung des Verfassers, unten: Lüthjenburg und Kranzach Nachbauten bzw. Rekonstruktionen von Burgen des Mottentyps.
In der Gemarkung Birkenau, gibt es eine Flurbezeichnung „Burgacker“ ( westlich Obergasse, neben dem Kallstädter Bach und nördlich der Lindenstraße), des weiteren die Flurbezeichnung „Herrnwiese“ (westlich der Straße nach Hornbach.
Flurbezeichnungen sind in der Regel weit älter, als die um 1800 erstmalig erfolgte Parzellenvermessung der Grundstücke.
Es ist aus den verschiedensten Quellen seit etwa 1160 ein Ortsadel nachweisbar. Daher ist auch ein festes Haus (Burg) sowie von der Existenz eines entsprechenden Wirtschaftshofes auszugehen. Fraglich ist in diesem Zusammenhang nur welche Bereiche für eine derartige Anlage in Frage kämen.
Das Tal wird durchflossen von der Weschnitz und von Norden mündet der Liebersbach im Bereich des jetzigen Schlossgartens in die Weschnitz.
Auch die Topographie das Geländes war in dieser Zeit eine völlig andere als sie sich heute darbietet. In der Talaue, die man sich durchaus als sumpfiges Gelände vorstellen kann und die mehrmals im Jahr durch Hochwasser auch überschwemmt wurde gab es im engeren Bereich nur 2 Regionen die Hochwasserfrei waren.
Zum einen der Hügel, der heute die evang. Kirche trägt und zum anderen der Bereich an der jetzigen Weschnitzbrücke wo sich in Urzeiten eine Furt befand welche eine gefahrlose Überquerung der Weschnitz ermöglichte.
Durch den Bau der Bundesstraße und den Durchbruch durch den Schlosspark sowie durch Errichtung der Weschnitzbrücke und die südseitige Bebauung hat das ursprüngliche Gelände eine totale Veränderung (Umfangreiche Auffüllungen) erfahren. Schaut man sich die Tiefe des Weschnitzbettes unterhalb der Brücke an bekommt man an ehesten eine Vorstellung der früheren Geländeverhältnisse. Durch den Einbau eines Stauwehres für den Betrieb der Mühle gab es auch hier im westlichen Bereich weitere Veränderungen.
Ebenso auf der Ostseite, durch die Errichtung des Schlossgartens (großflächige Auffüllung des Geländes), so dass auch hier das alte Geländeprofil weitgehenst verloren ging.
Es ergibt sich somit im Bereich der jetzigen Remise eine weitere hochwasserfreie Stelle, welche vielleicht noch künstlich erhöht für den Standort einer Burg oder eines festen Hauses ( im Mottentyp) im Frage käme. Dieser Standort ermöglichte zugleich die Sicherung des Weschnitzüberganges welcher gleichzeitig auch als Zugang zum Ort selbst diente, da Birkenau am südlichen Ufer der Weschnitz liegt.
Man kann durchaus annehmen, das der Hügel auf dem die heutige Kirche steht auch in frühester Zeit bereits eine Kirche trug.
Die anfänglich angeführte Bezeichnung Burgäcker deutet nicht zwingend darauf hin dass hier oder im Umfeld eine Burg stand. Es kann jedoch ein Indiz dafür sein, dass diese Fläche zur Burg gehörig oder für deren Unterhalt diente.
Schaut man sich das Gelände nördlich der jetzigen Bundesstraße an, so wäre (von einer Höhenburg abgesehen) eine Anlage im Talgrund in Verteidigungsfalle in einer schlechten Position, da von den nahen Höhen einsehbar und daher gefährdet. Eine kleine Anlage (Wasserburg mit Gräben und Wällen in der Nähe und zur Deckung des Weschnitzüberganges, eventuell auch in Holzbauweise (Palisadenumring) mit zentralem Gebäude oder Turm) wäre an dieser Stelle durchaus denkbar und hätte auch einen strategischen Wert.
Sicherlich sind dies alles Hypothesen, aber es gibt einige Indizien (Quellen) für eine Lage an der beschrieben Stelle: Rainer Kunze, Mannheimer Geschichtsblätter NF, B6 S. 77 ff).
Fortsetzung folgt
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Burgengeschichtliches aus der Umgebung und der Winenheimer Zeit
17.6.2008 von Konrad.
Die Gruppe der Dienstmannen zu Winenheim hat sich den Zeitrahmen von 1170 bis etwa 1200 für die Darstellung gewählt. Wir sind daher bestrebt über den genannten Darstellungszeitraum und die hiesige Region betreffendes Material zusammenzutragen. Über 800 Jahre vor unserer Zeit bedeutet zunächst erhebliche Veränderungen im gewohnten Umfeld.
Die bekannten und auch markanten Burgen entlang der Bergstrasse sind verschwunden oder haben sich beträchtlich verändert. Aufragende Bergfriede waren zu dieser Zeit noch völlig unbekannt, genauso wie weitreichende Zwingeranlagen und Vorburgen. Es dominierten in der Regel Burgen in Form von Motten (künstlich aufgeschüttete Erdhügel, die von Gräben und Palisaden umgeben und in der Regel in Holzbauweise errichtet waren). Einige der heute bekannten Dörfer und Städte existieren noch nicht dafür gibt es eine ganze Reihe von Dörfern und Weilern, aber auch von Burgen und befestigten Häusern, die im Laufe der Zeit der Geschichte anheimgefallen sind. Nur in alten Urkunden oder in Landkarten, hier insbesondere bei den alten Gewann- und Flurbezeichnungen wird auf diese verschwundenen Örtlichkeiten hingewiesen.
Daher gibt es eine ganze Menge von historischen Bodendenkmälern, die bei der Bevölkerung nicht mehr bekannt sind. Insgesamt ist es aus heutiger Sicht sehr schwer die entsprechenden Zusammenhänge noch zu erkennen- und es ergeben sich teilweise regelrechte Streitfälle, wenn es um das Alter diverser Burgen oder die Abfolge der möglichen Entstehungsgeschichte derselben geht. Wie bereits in einem früheren Beitrag ausgeführt gibt es in Weinheim (neben der Burg Winenheim) zwei weitere mittelalterliche Anlagen:
Da sogenannte Raubschloß und die Anlage im Wendelstück am Wachenberg. Für beide Anlagen konnten nunmehr Lageskizzen gefunden werden:

Bergmotte Raubschloß mit Wall und Graben und unregelmäßigen polygonalen Wohnturm, sowie Anlage am Wendelstück (Wachenberg oberhalb der Windeck) Quelle: Mannheimer Geschichtsblätter, Neue Folge Band 4/1997, Skizzen von Rainer Kunze
Außer diesen beiden Anlagen gibt es in unserer Region noch folgende ehemalige Burgen:
Hohensachsen
Oberflockenbach 1, Auf dem Rostbuckel?, Flurnamen Altenberg
Oberflockenbach 2, Auf dem Dörrberg (Gemarkung Steinklingen)
Oberflockenbach 3, Hub bei der Burg, genaue Lage unbekannt
Ruine Hirschberg und Schanzenköpfel, Leutershausen
Burgschell und Waldeck bei Heiligkreuzsteinach
Auf dem Ölberg/Schriesheim Ringwall (mittelalterlich?) noch nicht näher untersucht
Ruine Schauenburg und Vorläufer am gleichen Ort (Dossenheim)
Ehemalige Doppelburganlage (Kronenburg moderner Name, Urname unbekannt) (Dossenheim))
Ruinen auf dem Kirchberg bei (Dossenheim) noch nicht näher untersucht
Die Ruine im Wolfgrund (zwischen Dossenheim und Handschuhsheim)
Das sogenannte Bürgel bei Handschuhsheim
Hemsbach, Tiefburg (erhalten hier nur der ehemalige Wohnturm (Zentscheuer))
Des Weiteren:
Birkenau (abgegangene Wasserburg (Flurbezeichnung am Burgacker))
Biblis (abgegangene Wasserburg (Steinhaus oder Motte)
Rimbach (abgegangene Wasserburg)
Horburg (abgegangene Wasserburg Weinheim)
Hornburg (Bürgel, Burgstall) Heddesheim-Muckensturm im Gewann Horb
Laudenbach (abgegangene Burg), Lage ?
Schwabeck (abgegangene Burg) Dossenheim-Schwabenheim
Sowie die bereits genannten und beschriebenen Motten:
Wellberg und Weilerhügel, eine weitere wurde bei Eschollbrücken auf einer Luftaufnahme wieder aufgefunden.
Abgegangene Orte:
Wüstung Nächstenbach und Hege, nördlich und südlich von Weinheim; Hillenbach zwischen Dossenheim und Handschusheim; Dornheim, Botzheim, Hermsheim, Kloppenheim u.a.
Die vorstehend aufgeführte Liste stellt nur einen Ausschnitt da, denn zwischen Darmstadt und Heidelberg und im Bereich des vorderen Odenwaldes bis zum Rhein gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Anlagen und Orte, die hier aufgeführt werden müssten.
Eine Burg in Hohensachsen
Geht man von der urkundlichen Erwähnung »Ernest de Sahsenheim et frater eius Bliggerus de Steinahe liberi« (1150; UB Speier; 1,99) aus und sucht nach einem Sitz dieses Edelfreien aus der Familie der Steinacher, so bietet sich nach den Lagegewohnheiten für frühe Burgen schließlich nur die Umgebung des Alten Friedhofes von Hohensachsen an. Im unteren Teil befand sich die verschwundene und nicht ergrabene frühmittelalterliche Pfarrkirche der drei Sachsenorte (Sahsenheime), um die sich im Spätmittelalter ein Wehrfriedhof entwickelte. Auffallend ist nun, dass der obere Teil des Friedhofes mottenartig steil ansteigt und auf der Nordseite von einem tiefen Hohlweg begleitet wird. Der untere Teil dieses Hohlweges erweist sich aber bei genauer Betrachtung als aus dem Felsen gehauener Halsgraben, der seine weitgehend verfüllte Fortsetzung am oberen Ende des Friedhofes hatte und am südöstlichen Steilhang des Bergvorsprunges auslief. Da der verfallene echte Hohlweg bergauf zu einem mittelalterlichen Schürfgebiet führt (Grube bzw. Besucherbergwerk Marie), liegt die Vorstellung nahe, in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts habe ein Angehöriger der sich zu dieser Zeit stark verzweigenden Familie der Steinacher als Lorscher oder Reichsministerialer hier zum Schutz von Kirche und Schürfgebiet einen Burgbauversuch unternommen, der aber nicht von langer Dauer war, denn weitere Erwähnungen finden sich nicht. Geblieben ist neben dem Halsgraben und dem Gewann Burgstall nur der Burghügel, der einmal einen Wohnturm getragen haben dürfte.
Quelle: Mannheimer Geschichtsblätter, Neue Folge Band 4/1997, Skizze von Rainer Kunze
Was bleibt sind die durch Erosion verflachten und mit Bäumen bestandenen künstlichen Hügel, die einstmals die Bauwerke trugen. Die Palisaden zumeist in Holzbauweise gingen zusammen mit der Anlage unter, die Gräben wurden aufgefüllt und die Dämme eingeebnet. In Luftaufnahmen werden Spuren der Gräben, aber auch eventuell sich noch im Boden befindliche Fundamente von Baulichkeiten erkennbar.
Stark erodierter und mit Bäumen bestandener Hügel der ehemaligen Motte in Kranzach. Die Rekonstruktion der gesamten Anlage (Bachritterburg) liegt in unmittelbarer Nähe ohne den historischen Ort zu beeinträchtigen.
Unteres Bild Links: Turmhügelburg Lütjenburg, bei Plön, Rechts: Bachritterburg in Kranzach, als Beispiele von Anlagen des Motten-Typs
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Bergbau an der Bergstraße
7.12.2007 von Sven von Winenheim.
Die Grube Marie
An der Bergstraße wurde Bergbau betrieben, das belegen die Stollen in Schriesheim und Großsachsen, wo es seit diesem Jahr ein neues Besucherbergwerk gibt:
Die „ Grube Marie „.
Bergknappe bei der Arbeit
In der Grube wurde vom Mittelalter bis ca. 1930 Silber und Blei abgebaut. Die Grube hat einen Tagstollen von 50 m Länge in den Berg hinein und zwei Stollen führen noch in die Tiefe. Man wird noch sehr gespannt sein was diese noch zutage bringen, da die Marie noch nicht vollständig untersucht ist. Die erste urkundliche Erwähnung weist auf das Jahr 1012 zurück.
Im Jahr 1300 geht aus den Quellen hervor, die vom Abbau von Silber und Bleierzen durch die Herren von Stralenberg in Schriesheim berichten. Ab 1474 bis ins 19 Jahrhundert ist in vielen Quellen von der Marie in der Kohlbach die Rede. Aber im Jahre 1925 wurde die Grube stillgelegt.
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Die Errichtung der Burg Winenheim
26.6.2007 von Konrad.
Schon neun Jahre nach seiner Gründung 764 konnte das Kloster Lorsch im Weinheimer Raum Fuß fassen. 773 schenkte Karl der Große die Heppenheimer Mark an das Kloster, und 790 konnte das Kloster noch den Besitz des Grafen Raffolt mit 64 Hörigen und 877 noch einmal 3 Höfe dazu gewinnen. Der Besitz war damit so bedeutend und so umfangreich, daß Kaiser Otto III. am 11. Juni des Jahres 1ooo dem Kloster Lorsch das Marktrecht für Winenheim verlieh. Dieses Marktrecht wurde 1065 von Kaiser Heinrich IV. erneuert und um das Münzrecht erweitert.Ein Güterverzeichnis des 11. Jahrhunderts nennt 52 Höfe, die jeweils ein Schwein und ein Schaf abzugeben haben; weitere 28 Höfe zinsen je ein Pferd, 16 Höfe je ein Schaf und 2 Höfe je einen Ochsen zum Gebrauch des Klosters. Dieselbe Quelle nennt übrigens interessanterweise auch die Frondienstleistung, die das Kloster forderte: Drei Joch Ackerland sind vom Hofbauern zu pflügen und einzusäen, die Felder sind im Juni, um den 8. September und Anfang Oktober zu bestellen. Darüber hinaus sind 3 Tage Fronarbeit zu leisten. Solche Verpflichtungen kann man hierzulande ohne weiteres auch auf die Grundhörigen des weltlichen Adels übertragen.
Um die Mitte des 11. Jahrhunderts brach der große Zwist zwischen Kaiser Heinrich IV. und Papst Gregor VII., der Investiturstreit, aus. Er brachte wohl zunächst und vordergründig den Streit um das Verhältnis von Kirche und weltlicher Gewalt, auch um die Befreiung der Kirche von weltlicher Beeinflussung, letztlich aber auch eine nachhaltige Schwächung des Königtums. Daß der Adel sich seit dem letzten Drittel des 11. Jahrhunderts auf befestigte Stellungen zurückzog, war die eine Folge dieser Schwäche des Königtums, die andere bestand darin, daß Klöster und Bistümer sich ihre Parteigänger mit großen Landzuwendungen günstig erhalten mußten. Der Adels war also der Gewinner dieser Zeit, das Reich selbst versank in lange Jahrzehnte währenden Bürgerkrieg. In dieser Zeit, um 1080, wollte auch der Lorscher Abt seinen Besitz an der Bergstraße durch die Anlage einer Burg sichern.Allerdings gehörten Grund und Boden, auf dem die Burg errichtet wurde, nicht dem Kloster Lorsch, sondern dem Kloster Steinbach, bei Michelstadt. Dieses Kloster war von Einhard, dem Hofbiographen Karls des Großen, gegründet und 819 dem Kloster Lorsch übergeben worden. 1073 wurde es neu eingerichtet und mit Besitz aus dem Lorscher Fundus ausgestattet.
Über den Bau dieser Burg, die ja einen Eckpfeiler der Lorscher Macht im hiesigen Raum darstellte, brach ein Streit nicht nur mit dem Kloster Steinbach selbst, sondern auch mit Berthold von Henneberg, dem Lorscher Vogt, aus. Er endete zwischen 1107 und 1119 mit einer Zerstörung der Burganlage. Der Streit um die Burg Winenheim war aber nicht die einzige Auseinandersetzung, die Kämpfe um die rechte Lehre brachten auch die Vertreibung des Abtes Benno aus dem Kloster. Der flüchtete sich (nachdem er, wie der Lorscher Codex berichtet, den Kirchenschatz zusammengerafft hatte) nach Italien zu Kaiser Heinrich V. und erreichte, daß er wieder in seine Würden eingesetzt wurde. Er gewann auch die Unterstützung des damaligen Pfalzgrafen Gottfried, zu der Zeit nach Lorscher Kommentar die treibende Kraft bei Hofe und vermutlich ein Onkel des Klostervogtes Berthold. Als Gegenleistung für seine Hilfe versprach ihm der Abt die Belehnung mit allen Hauptlehen, auch Fahnenlehen oder Voll-Lehen genannt, die in seiner Regierungszeit durch den Tod von hochadligen Lehnsträgern frei würden (heimfielen), bis zum Tode des Abtes Benno waren das immerhin sieben an der Zahl. Das jedenfalls ist der Ursprung der starken Machtfülle der Pfalzgrafen im Lorscher Gebiet; sie konnten diese Stellung später noch durch die Erbschaft der Vogtei von den Herren von Lindenfels noch ausbauen. Abt Diemo erwarb 1130 das Gelände der Burg, indem er den Burgberg mit dem Kloster Steinbach gegen das Dorf Mumbach tauschte, und stellte die Burg Winenheim wieder her. Von diesem Abt Diemo sagt übrigens der Lorscher Codex, er sei zwar ein schöner Mann mit einnehmenden Gesichtszügen, aber von beschränktem und einfältigem Geist gewesen. Mit der Durchsetzung des staufischen Anspruches auf das Königtum (Thronbesteigung Konrads III. 1138) geriet das Kloster Lorsch mit seinen Besitzungen und damit auch mit der Burg in die Zange, denn die Pfalzgrafschaft hatte damals für kurze Zeit der Halbbruder König Konrads, Heinrich mit dem Beinamen Jasomirgott inne; er trat dann 1141 das Erbe in der Markgrafschaft Österreich und bald darauf im Herzogtum Bayern an. Es war also damals wohl schon die Verbindung zwischen staufischem Königtum und der Rheinischen Pfalzgrafschaft angelegt, die 1155 vollendet wurde, als Kaiser Friedrich Barbarossa die Pfalzgrafschaft seinem Bruder Konrad übertrug. Die Pfalzgrafschaft in der Hand des Staufers war ein wesentliches Moment zur Sicherung der Herrschaft hier am Oberrhein und sie wurde deshalb großzügig mit Besitzungen aus dem alten salischen Erbe ausgestattet.
Sowohl Konrad III. als auch Friedrich Barbarossa zeigten in der Folgezeit großes Interesse für die Burg und ihre militärische Bedeutung. Sie legten eine königliche Besatzung in die Burg, von der sich die Äbte nur mit Mühe freikaufen konnten: Einmal mußte die Summe von 70 Pfund Silber bezahlt werden (1141), das andere Mal trat der Abt den Klosterhof in Ilvesheim an den Kaiser ab. Der Lorscher Chronist bemerkt dazu, nicht ohne Bitterkeit, daß der Verzicht auf die Einkünfte dieses Hofes besser war als die Gefahr, die von dieser Burg und ihren Burgleuten für das Klostergebiet ausging. Barbarossas Hand lastete schwer auf dem Kloster und die Hand des Pfalzgrafen nicht minder. Abt Heinrich (1151-1167) errichtete noch in Weinheim und auf der Burg Winenheim »schöne Bauwerke«, im weiteren Verlauf übernahm dann aber Pfalzgraf Konrad durch seine Ehe mit der (Erb-) Tochter des Grafen von Henneberg auch die Vogtei über das Kloster Lorsch und scheint damit auch Weinheim in seine Gewalt bekommen zu haben.
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Lorscher Äbte 1052 bis 1199
21.6.2007 von Konrad.
Abt Arnold von 1052 bis 1055
Abt Udalrich von 1056 bis 1075
Abt Adelbert von 1075 bis 1077
Abt Winther von 1077 bis 1088
Abt Anselm von 1088 bis 1101
Abt Gerold II von 1101 bis 1105
Abt Hugo II von 1105
Abt Gebhard von 1105 bis 1107
Abt Ermenold von 1107 bis 1111?
Abt Benno von 1111? bis 1119
Abt Heidolf von 1119
Abt Hermann von 1124 bis 1125
Abt Diemo 1125 von bis 1139
Abt Baldemar von 1140 bis 1141
Abt Folknand von 1141 bis 1148
Abt Hildebert von 1148
Abt Marquard von 1148 bis 1149
Abt Heinrich von 1151 bis 1167
Abt Sigehard von 1167 bis 1199
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Zwei Motten an der Bergstrasse
3.6.2007 von Konrad.
Zwei Motten an der Bergstraße. Nicht sehr bekannt sind zwei historische Orte, die nur wenige Km von einander entfernt, jeweils an einer ehemaligen Neckarsschleife liegen und ehemals befestigte Burgen trugen. Gemeint sind hier die Orte der Burg Alt Bickenbach (Weilerhügel) und Wellberg.
Burg Alt Bickenbach (Weilerhügel)
Zwischen Bickenbach und Alsbach ragt ein spitzkegeliger Hügel fast elf Meter über die hier völlig ebene Umgebung. Ihm ist eine erhöhte Plattform vorgelagert. Um die ganze Anlage, die einen Umfang von 280 Metern und einen Längendurchmesser von 90 Metern hat, lief ein breiter Graben, der heute verlandet und eingeebnet, aber noch deutlich erkennbar ist. Weilerhügel heißt diese Stelle, wo die Gemarkungen Bickenbach, Hähnlein und Alsbach zusammenstoßen. Der alte Neckarlauf bildete hier eine Insel. Auch wenn ein durchgehender Flußlauf an der Bergstraße in geschichtlicher Zeit nicht mehr existierte, so gab es doch an vielen Stellen noch offene Gewässer. Die berühmte Sumpfbrücke der Römer lag in der Nähe. Ob allerdings dort ein Wachtturm stand oder ein römischer Gutshof lag, ließ sich bisher ebensowenig feststellen wie die Existenz eines fränkischen Gutshofes, von denen es mehrere am alten Neckarlauf gab. Scherben aus alter Zeit fanden sich um den Turmhügel genug, doch ist nicht geklärt, ob sie aus dem Grabenaushub stammen oder mit dem Erdreich von weiter her transportiert worden sind, das einst zur Erhöhung des Hügels diente. Gesichert sind dort Siedlungsfunde nur aus dem 11. Jahrhundert und später.Der Weilerhügel ist der künstlich aufgeschüttete Rest einer frühmittelalterlichen Burg, einer sogenannten Motte. Dieser Typus verbreitete sich von Frankreich aus über Westeuropa und hieß dort »motte« (Erdhügel), in England »moated mound«. Derartige Burgen lagen in Ebenen mit hohem Grundwasserspiegel oder in der Nähe stehender oder fließender Gewässer. Bei ihrem Bau wurde zuerst ein ringförmiger Graben ausgehoben und die anfallende Erde zu einer Plattform mit einem kleinen Hügel aufgeschichtet. Der Graben füllte sich mit Wasser, sein Innenrand wurde durch einen Palisadenwall, manchmal auch durch eine Dornenhecke, gesichert. Einige dieser Motten hatten Doppelgräben, deren Verbindungswall unter der Wasseroberfläche lag und mit einer Reihe spitzer Pfähle bestückt war. Auf der Plattform standen die Wohn- und Wirtschaftsgebäude, während auf dem Hügel ein hölzerner Wachtturm errichtet wurde. Des besseren Überblicks und der größeren Sicherheit wegen erhöhte man später diesen Hügel, aus der Motte wurde eine Hochmotte. Beim Weilerhügel liegt die sehr kleine Plattform 10,5 Meter über dem Hofniveau. Um den Fuß dieses Hügels zogen die Bewohner eine Steinmauer, anstelle des hölzernen bauten sie später einen Steinturm. Vielleicht war er zweigeschossig, in jedem Fall bot er nur wenig Raum, so daß sich tagsüber nur die Wachmannschaft darin aufgehalten haben mag, während sich die Herrschaft nachts und bei Gefahr in ihn zurückzog.
Eine Kette befestigter Höfe zog sich damals das alte Neckarbett entlang vom »Getwinc« bis zur Mainspitze. Die alten Flußschlingen boten ihnen idealen Schutz. Walter Möller sah in dieser auffallenden Reihung von Wehrhöfen ein zusammenhängendes Befestigungssystem, das die Aufgabe hatte, die Rheinebene von Norden her abzuriegeln. Den Anstoß dazu könnten um 900 n. Chr. die Normannenzüge den Rhein herauf und die Vorstöße ungarischer Reitertrupps gegeben haben. Ob die Höfe damals schon Motten, also Burgen, waren, muß bezweifelt werden. Motten kamen in Frankreich erst während der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts auf — der Teppich von Bayeux enthält die Abbildung einer solchen Hochmotte. Die Grabungen am Weilerhügel haben bisher nur Siedlungsspuren aus dem 11.Jahrhundert und danach ergeben. Dr. Böhme folgert daraus, daß die Herren von Bickenbach auf dem Jugenheimer Heiligenberg lebten, dann aber im 11. Jahrhundert oder noch später auf den Weilerhügel umzogen.
Dieses Geschlecht gehörte zum ältesten und einflußreichsten Adel der Umgebung, hatte umfangreichen Besitz in allen angrenzenden Marken, und verwaltete die hier gelegenen umfangreichen Lorscher Klostergüter. Der allgemeinen Übung folgend, nannten sich die mächtigen Herren nach ihrem neuen Sitz: Bickenbach. Der Name Bickenbach ist wahrscheinlich vom Personennamen Bicco abgeleitet. Das edelfreie Geschlecht besaß das Patrozinium über die dortige Kirche, die Mutterkirche für ein umfangreiches Kirchspiel war. Vielleicht hatten sie ihre Vorfahren bereits als fränkische Eigenkirche gestiftet. Das Dorf Bickenbach, nicht die Burg, dürften sie um 1150 ihrer Tochter Luitgard als Mitgift in die Ehe mit Konrad von Hagen-Arnsberg (später Münzenberg) gegeben haben, zusammen mit Seeheim bildete es das Amt Tannenberg.
1130 erscheint der Name Konrads (1.) von Bickenbach in einer Urkunde: »Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreiemigkeit Adelbertus, von Gottes Gnaden Mainzer Erzbischof und des apostolischen Stuhis Legat. Kund und zu wissen sei allen gegenwärtigen und zukünftigen Christgläubigen mittelst gegenwärtigen Briefs, welcher Gestalt ich, in der begierigen Absicht, den Dienst Gottes auszubreiten und den Lohn ewiger Vergeltung zu vergrößern, auf heilsames Raten des Erzdiakons Heinrich (Propst zu St. Viktor) und auf bittliches Ansuchen unseres getreuen Konrads von Bikkenbach durch den Straßburger Bischof Herrn Bruno die in vorgedachter Veste Bickenbach gelegene und von obgenanntem Konrad gestiftete Kapelle zu Ehren Jesu Christi und des heiligen Apostels Bartholomäi einweihen lassen, mit dem Verfügen, daß in selbiger zu gehöriger Zeit, das ist an Ostern und an Pfingsten, ohne jemandes Widerspruch soll mögen getauft werden.
Obengenannter Konrad hat den Zehnten des Sallandes in Alsbach, eine Hube in vorgedachtem Schlosse Bickenbach und eine halbe Hube außer solchem Schlosse, auch die Leibeigenen mit Namen Albrecht und Lunegard, mit allem Nutzen genannter Kapelle zu einer Aussteuerung gegeben, unter Einwilligung des Lorscher Abtes Diemo (1125—1139) und des Vogtes Gottfried (von Calw, Pfalzgraf 1112—1133).
Damit aber diese Schenkung und Übergabe zu aller Zeit fest und stet bleibe, so haben wir diesen Brief anfertigen, mit unserem Siegel bekräftigen und von denen in Gott andächtigen, hiernächst benannten Bischöfen bezeugen lassen, daß, wenn etwa zwischen denen Vorstehern der Kirchen und denen Pachtleuten eine Zwistigkeit entstünde, der Streit sofort kurz und gründlich entschieden und gänzlich beigelegt werden könnte.
Dieses sind die Zeugen: Bischof Buggo von Worms, Bischof Konrad zu Chur, Bischof Ulrich zu Konstanz, Bischof Bruno zu Straßburg, Abt Diemo zu Lorsch Erzdiakon und Propst zu St. Viktor Heinrich, Scholaster Lorenbert, Propst Imecho, Kaplan Arnold, Pfarrer und Erzpriester Stephan, Pfalzgraf Gottfried, Graf Berthold von Lindenfels, Graf Gerhard von Berebach und dessen Bruder Heinrich, Dammo und Sigebodo von Buchen, Heinrich von Katzenelnbogen, Konrad Sporun und viele andere. Dies ist geschehen im Jahre der Menschwerdung des Herrn 1130, in der achten Zinszahl, den 30. November, unter der Regierung Lothars, des dritten Römischen Königs. Gott gebe Glück! Amen!«
Die Liste der Würdenträger beweist, welchen Einfluß Konrad gehabt haben muß, auch wenn die Kirchenfürsten nicht eigens nach dem Weilerhügel anreisten, sondern sich bereits in Lorsch aufhielten, wo sie die neue Basilika weihten, die anstelle der 1090 abgebrannten gebaut worden war.
Noch ist die Stelle in der Motte nicht entdeckt worden, wo diese Kapelle stand. 1876 fand man am Grabenrand des Hügels den Deckstein eines romanischen Doppelbogenfensters. Gehörte er zur alten Burgkapelle? Lange Zeit hindurch schweigen die Urkunden. 1241 wird eine Höhenburg erwähnt. Die Herrschaft war umgezogen, die Geschichte der Bickenbacher setzte sich an anderer Stelle fort, der Weilerhügel hieß nun »Alt-Bickenbach«. Brandschutt deutet darauf hin, daß er belagert, vielleicht sogar erobert wurde. Dies könnte um 1230 geschehen sein, als bei dem Übergang Lorschs an Kurmainz heftige Kämpfe entbrannten, die sicher auch die Bickenbacher als treue Vasallen der Lorscher und Mainzer nicht neutral bleiben ließen. Sie bezogen eine Höhenburg, die sicherer war. Der Weilerhügel diente als Wirtschaftshof, Ulrich 1. von Bickenbach nannte 1310 den Platz »curia antiqua«. Nach dem Weistum von 1516 verlief die Hähnleiner Gemarkungsgrenze neben der Hanlachen herüber für und für bis in Wyler uf Alt-Bickenbach.. Heute heißt das Gewann »Die alte Burg«.
Um 1800 wurde in der Nähe des Hügels, der um diese Zeit längst verlassen war, ein verschütteter Kalkofen gefunden. 1836 entdeckte ein Bauer im Graben 70 Hufeisen, Vorder- und Hintereisen in Pferdelänge auseinander, Sporen, Schnallen, Pfeilspitzen, ein Torband und Reste eiserner Gerätschaften. Der Zwingenberger Landrichter Klipstein grub zwei Jahre später und fand neben eisernen Nägeln und alten Schüsseln ein Messer, eine kleine Zange und irdenes Geschirr. Der Historische Verein fand 1876 in der Vorburg unter einer Schicht Brandschutt Scherben, Ziegelstücke, Pfeilspitzen, Reste kupferner Beschläge sowie ein Stück eines Bronzegefäßes; zwischen Vorburg und Hügel einen großen Schlüssel und einen Rustikaquader, am Grabenrand einen vergoldeten Kupfernagel und den schon erwähnten Deckstein eines romanischen doppelbogigen Fensters. Die Spitze des Hügels war von einer Mauer umgeben, deren Fundamente festgestellt wurden. Die Funde kamen ins Darmstädter Landesmuseum, wo sie dem Bombenangriff von 1944 zum Opfer fielen. Der Weilerhügel ist heute Eigentum der Forstverwaltung.
Burg Wellberg
Etwa 2.5 km südwestlich von Pfungstadt liegt vor der Autobahn in der Ebene der Hügel von einer frühen Burganlage. Auch sie lag. ähnlich wie der .,Weilerhügel”, in einer früheren Neckarschleife und war zweifach mit Gräben umgeben. Ein Vorburgplateau fehlt hier jedoch. Sichtbare Baureste sind nicht vorhanden.
Luftaufnahme der Motte Burg Wellberg
Wann und von wem die Burg vielleicht schon im 9./10. Jh. erbaut wurde, ist unbekannt. Sie bestand wohl nur aus einem turmartigen Holzgebäude auf einem aufgeschütteten Erdhügel, war also eine Motte. 1936 vorgenommene Grabungen ließen zwei Bauperioden erkennen. Spuren späterer Steinbauten wurden nicht gefunden, was auf eine frühe Aufgabe schließen läßt. Die Vermutung. daß die Burg der ursprüngliche Stammsitz der Herren v. Frankenstein gewesen sein könnte, ist recht unwahrscheinlich, da diese erst im 13. Jh. urkundlich erwähnt werden.
Heimatbuch der Stadt Pfungstadt
Luftaufnahme (1934) Ausschnitt mit den Lagen der Motten Wellberg und Weilerhügel. Sehr schön zu erkennen ist hier auch Verlauf des ehemaligen Neckarbettes, dessen Windungen sich noch deutlich als dunkle Gebilde in der Landschaft abheben.
Literaturhinweise:
Burgen und Schlösser an der Bergstraße, Hans Buchmann, Stuttgart Theiss Verlag 1986, ISBN 3-8062-0476-4
Burgen der Kurpfalz, Christoph Bühler, HVA Heidelberg 1990, ISBN 3-89426-012-2
Burgen und Schlösser im Odenwald, Thomas Biller, Schnell et Steiner Verlag Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1711-2
Mittelalterliche Burgen in Hessen, Rudolf Knappe, Wartburg Verlag 2000, ISBN 3-86134-228-6
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Das untergegangene Dorf Hege
29.5.2007 von Konrad.
In einer Urkunde des Klosters Lorsch wird im Jahre 951 neben Sahsenheim auch der Ort Hege genannt. Hege lag zwischen Weinheim und Lützelsachsen. Hege gehörte als halbes Dorf der Äpelbächer Cent an, bis es gegen Ende des Mittelalters “ausging” und vom Erdboden verschwand.Hege war seit dem Jahre 1100 zur Versorgung der Burgbesatzung auf der Burg Windeck verpflichtet. Als das Kloster Lorsch im Jahre 1232 aufgehoben wurde, dem die Windeck gehört hatte, zog der Pfalzgraf diese Abgaben der Heger Gemeinsleut als Naturalsteuer durch die Weinheimer Kellerei an sich. So kam es, daß im Weinheimer Grund und Pfandbuch die in der Heger Mark eingetretenen Gebietsveränderungen eingetragen wurden und die Heger Grundstücke dem städtischen Katasteramt unterstanden. Lützelsachen war zusammen mit Hege Mitglied der Weidegemeinschaft der “fünfhalb Dörfer” gewesen und beanspruchte aus diesem Grunde das “Markungsrecht” des inzwischen ausgegangenen Dörfleins Hege. Der darüber entstandene Streit mit Weinheim wurde 1840 durch das badische Bezirksamt Weinheim zugunsten von Lützelsachsen entschieden. Die Gemarkung Hege wurde in die Gemarkung Lützelsachsen eingegliedert.
Das halbe Dorf Hege und seine Gemarkung
1. Hege wird im Lorscher Codex in einer Schenkungsurkunde des Adalhard aus dem Jahre 951 zum ersten Male genannt.
2. Die Gemarkung war im Osten, Süden und Westen durch je einen befahrbaren Weg von der Gemarkung Lützelsachsen getrennt.
3. Im Jahre 1840 wurde vom Bezirksamt Weinheim das Markungsrecht über den Heger Distrikt der Gemeinde Lützelsachsen zugesprochen.
4. Nach einem Verzeichnis der Eigentümer auf dem Gewann Hege stammten diese im Jahre 1847 größtenteils aus Lützelsachsen (82), 51 ‚Ausmärker” stammten aus Weinheim, 3 aus Großsachsen.
5. Die Gemarkung Hege war 78 Morgen groß gewesen.
6. Im Jahre 1820 wurde von der Seite der Stadtverwaltung Weinheim und der Ortsverwaltung Lützelsachsen eine Grenzbegehung durchgeführt, wobei die Markungssteine vermessen wurden. Ein dabei aufgenommenes Grenzbegehungsprotokoll wurde später als ausreichender Beweis für die Richtigkeit des Steinsatzes bezeichnet.
7. Die Weinheimer, die im Heger Gebiet begütert waren, mußten von jedem Morgen Weinberg daselbst 4 Kreuzer Schützengeld nach Lützelsachsen bezahlen.
8. Nach dem Untergang von Hege wurden von Lützelsachsener Seite aus im Heger Bezirk Feld- und Weinschützen gestellt, die die Frevler entweder vor das Lützelsachsener Gericht oder in schweren Fällen vor das Centgericht brachten.
9. Käufe und Verkäufe im Heger Gebiet, ebenso wie Verpfändungen wurden im Weinheimer Grund- und Pfandbuch eingetragen.
10. Die Grundstückswerte waren dem Steuerkataster der Stadt beigeschlagen.
11. Als im Jahre 1814 Lützelsachsen einige Verkäufe in seinem Grundbuch eintrug und eine “Notifikation” nach Weinheim sandte, beschwerte sich der Stadtrat beim Bezirksamt, da durch ein solches Verfahren Käufer und Pfandinhaber geschädigt werden könnten. Das Bezirksamt bestimmte hierauf, daß es bei der bisherigen Zuständigkeit des Weinheimer Lage- und Pfandbuchs verbleiben solle.
12. Darauf wendete sich Lützelsachsen gegen die Zahlung der Steuern nach Weinheim, da der Heger Bezirk hinsichtlich der Feldpolizei und beim Absteinen unter der Aufsicht von Lützelsachsen stehe. Es wurde von Lützelsachsen die Umschreibung des Heger Bezirks auf den Lützelsachsener Steuerdistrikt beantragt. Die Steuerrevision des badischen Neckarkreises lehnte diesen Antrag ab und verwies Lützelsachsen auf den Rechtsweg.
13. Als im Jahre 1829 Lützelsachsen, vertreten durch den Vogt Krebs und den Gemeinderat Johann Peter Bletzer, vor dem Bezirksamt die Forderung vortrug und sich auf einen Vergleich von 1618 stützte, lehnten die Vertreter der Stadt, Oberbürgermeister A. L. Grimm und einige Ratsherren, diesen Vergleich ab, da es sich weder um ein Original noch um eine beglaubigte Abschrift handelte. Danach wies das Bezirksamt den Antrag zurück, “den Stadtrat zur Abtretung der von ihm ausgeübten Verpfändung und Veräußerung der 1-leger Liegenschaften anzuhalten.”
14. Weinheim hatte von jeher die Umlage für die Grundstücke auf Heger Gemarkung eingezogen.
15. Nach einer Sage soll die Pest sämtliche Einwohner bis auf einen einzigen Mann hinweggerafft haben. Dieser habe in Lützelsachsen Unterkunft gesucht, die ihm abgeschlagen worden sei. In Weinheim aber soll er solche erhalten haben. Dadurch habe Lützelsachsen jeden Anspruch auf das Markungsrecht verloren.
16. Hege bildete mit vier anderen Orten eine Gemeinschaft wirtschaftlicher Art, die Gemeinschaft der ” fünfthalb Dörfer”. (Weide-Gemeinschaft, verbunden mit der Pflege von Wegen und Wasserläufen.)
17. In einem Vergleich des ‚Jahres 1616 hatten sich Weinheim und Lützelsachsen dahin verständigt, die Steinsetzung in den Heger Gütern und Wegen “wie vor alters üblichem Herkommen” bei Lützelsachsen zu lassen. Lützelsachsen solle die Landstraße unterhalb von Hege unterhalten (demnach den Abschnitt zwischen dem Pilgerhaus- und dem Rosenbrunnen); ferner hatte Lützelsachsen die Schützen zu halten und die Vergehen zu bestrafen, außer den großen centbaren Freveln. Die Heger Klinge sollte Weinheim. und die Cent voneinander scheiden. Weinheim sollte sich auch des Weidgangs in Heger Gemarkung enthalten, gemäß dem Weistum der fünfthalb Dörfer.
18. Hege ist früher als ein halbes Dorf “geachtet” worden.
Es galt neben den vier ganzen Dörfern Lützelsachsen, Hohensachsen, Großsachsen und Leutershausen als fünftes, aber nur halbes Dorf. Daher der Ausdruck “fünfthalb” Orte.
19. Hege gehörte früher auch zur Apfelbächer oder Schriesheimer Cent.
20. Die Bewohner von Hege sind nach Lützelsachsen ins Gericht gegangen und wurden von den Schützen zum Gericht abgeholt, wenn bei Wind oder ungestümem Wetter die Glocken zu Lützelsachsen in Hege nicht gehört wurden.
21. Die Bewohner der Sommergasse hatten die toten Bewohner von Hege bei 5 Gulden Strafe zur Beerdigung abzuholen und sie zu bestatten.
22. Um 1200 wird im Lorscher Codex der Weg genannt, der nach Hege zieht. Hier schenkte ein gewisser Berthold dem K1oster Lorsch einen Weinberg. Dieser Weg ist die Lützelsachsener bzw. auf Lützelsachsener Gemarkung die Weinheimer Straße.
23. Der Abt von Lorsch verwendete die Einnahmen, die ihm in Hege und anderen Orten zustanden, zur Unterhaltung der Burgbesatzung auf der Burg Windeck.
24. Hege muß im Jahre 1569 bereits untergegangen sein, weil es im Weistum aus jenem Jahre heißt, daß die Lütze1sachsener den Weinheimer Schäfer im Auftrag der Weidegemeinschaft abzuwehren hätten, wenn er die Heger Klinge überschritte 78.
25. Beim Streit über das Steinsetzrecht im Jahre 1617 verlangte die pfälzische Regierung, daß alle Akten zusammen mit dem Weistum an die Heidelberger Universität zu senden seien79.
26. Es kam im Jahre 1618 zu einem Vergleich.
27. Nach Aufhebung des Klosters Lorsch kam die Burg Windeck an den Pfalzgrafen. Dieser machte aus den an die Burg zu liefernden Abgaben eine Naturalsteuer, die an die Weinheimer Kellerei zu liefern war. Daher rührt es, daß die Gebietsveränderungen in Hege im Weinheimer Grund- und Pfandbuch eingetragen werden mußten.
28. Hege wird auch im Jahre 1012 als Grenzpunkt in einer Urkunde Kaiser Heinrichs II. genannt, in welcher die zwischen dem Wormser Bischof und dem Lorscher Abt strittige Grenze im Odenwald festgesetzt wird. Es heißt darin: Von Hege (Hegi) aufwärts nach Flockenbach und sodann bis nach dem bewohnten Steinach. Es handelt sich um eine Abgrenzung der Ladenburger (Worrnser) Mark von der Heppenheimer Mark80.
29. Im Jahre 1836 stieß man nach einem Bericht, der dem Amt für Vor- und Frühgeschichte in Karlsruhe vorliegt, an der Stelle des Dörfchcns Hege auf Trümmer einer römischen Villa und fand dabei allerlei bemerkenswerte Dinge, so z. B. auch Ziegel, auf denen der Stempel der XXII. Legion eingebrannt war. Diese Funde sind nicht mehr zu identifizieren. Sie waren in die Karlsruher Sammlung gekommen. 81
30. Die 4 ½ Dörfer unterstanden in der Frage der Regelung der Weiderechte, der Aufrechterhaltung der Ordnung auf der Weide, der Instandhaltung der Wege und Gewässer einem gemeinsamen Gericht, das sich das Gericht “im tiefen Weg” nanntr. Mit diesem Gericht, das aus den Ortsgerichten von Großsachsen und Leutershausen bestand, waren die Herrn von Hirschberg zu Leutershausen belehnt.
31. Die alte Gemarkung Hege umfaßte die Gewanne Vordere Langgewann, Karghansen Untere Dornbach, Mittlere Langgewann, Stefansberg, Oberer Klingenberg, Hintere Langgewann. Der Verlauf der Parzellen innerhalb dieses Raums läßt deutlich den Unterschied gegenüber dem Parzellenverlauf von Weinheim und Alt-Lützelsachsen erkennen.
32. Im Jahre 1428 wird ein Weingarten genannt, gelegen am Stefansberg im “Heger Gericht”, der einem Bürger von Lützelsachsen von einem Weinheimer verpachtet wird. (Karlsruher Gen. Landesarchiv, 67-1412, Seite 44.)
Untere Karte: Rot umrandet die ehemalige Gemarkungsfläche von HEGE
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Beschreibung der Undern Pfalz am Rhein (1645 Merian)
11.6.2006 von Konrad.
Übertragung:
Weinheim
Liegt an der Bergstraß / ein Meil under Schrießheim / an dem Wasser Wißgotz / oder Weschnitz / darinn viel gute Fisch / und Forellen gefangen werden / welches Flüßlein daselbst aus dem Raachen der Berge deß Odenwalds /, erstlich auff die Ebne sich außgeust / und das Rheingoew durchfleust / bis es bey Stein / wie Freherus schreibt / in den Rhein fällt. Etliche wollen / aus den gehawenen Steinen im Erdreich / in den Weingärten allhie / darauff der Nahm Oenotria gestanden / muthmassen / als ob die Römer umb diese Gegend ein Statt dieses Nahmens erbawet hätten / aus welcher Zerstörung durch die Francken beschehen / der Fleck Weinheim erwachsen / so in den Brieffen der Caroliner Winenheim / unnd in des Closters Wisensteig Stifftung / in An. 861. Windenheim genant werde / daher des Schlosses / oder Castels / über diesem jetzigen Stättlein gelegen / Nahmen / noch heutigs Tags / Windecke heisse. Und vermenne man daher / das Windogastus, einer aus den Autoribus L. Saliae, von hier bürtig gewest seye. Wie dann in dem Fränckischen Recht gelsen werde / das vier Fränckische Herren seyen erwöhlt worden / welche in den drey Orthen über Rhein / zu Salheim / Bodenheim / und Windenheim / als Cent: oder Gerichtsörthern / sollten zu Gericht sitzen. Es sollen schon vor 700 Jahren viel Weingärten allhie gewest seyn. Es ist ausser der Fisch / un Weins / auch sonsten andere gute Schnabelweid alhie / so in grosser Anzahl aus dem angrenzenden Odenwald / sonderlich vor dem jetzigen Kriege / darinn dieses Stättleins auch nicht ist verschont worden / dahin gebracht wird. Es ist vermutlich / das / wo nicht das Stättlein / doch allezeit obgedachtes Schloß / dem Closter Lorsch zugestanden habe; welches Schloß / dem selbst von einem Abbt daselbst zerstört; aber wider hernach / zu Schutz solchen Closters / auffgebawet worden ist.Munsterus schreibet von diesem Orth also: Diese Statt ist durch Einspruch zwischen dem Bischoff von Menz und Pfalzgraff Ruprechten dem ältern / durch etliche Scheid Richter / der Pfalz zuerkandt / Anno 1344. aber vormals von der Pfalz dem Stifft für fünff tausend Pfundt Heller versetzt gewesen. Woher sie aber anfänglichen an die Pfalz kommen / ist mir nit wissendt. Bis hieher Munsterus.
Anm. (Munsterus = Sebastian Münzer)
In einer geschriebnen Verzeichnus stehet / das sie villeicht mit andern Fahnlehen vom Closter Lorsch an Pfalz kommen seyn möge. Vid.d. Freher. part. I. Orig.Palat.c.7& part.2.c.5.p.18.
Anno 1644. im Novembri haben die Franzosen zu Oppenheim uber den Rhein gesetzt und in diesem Orth Quartir gemacht / sind aber bald hernach / von den ChurBayrischen durch Accord wider daraus / und über Rhein zu gehen gezwungen worden.
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